Leipziger Arbeiterbewegung

Julius Motteler

"Der Rote Feldpostmeister"
1838-1907

"Unser verstorbener Freund war einer von der alten Garde, einer von denen, die ihr ganzes Leben der Befreiung des Proletariats gewidmet haben, einer von denen, die selbst in schwerster Stunde nicht verzagten." Das waren die Worte Paul Singers am 2.10.1907 auf dem Leipziger Südfriedhof am Grabe von Julius Motteler.
Der am 18.6.1838 in Esslingen geborene Julius Motteler war 1863 Mitbegründer des Arbeiterbildungsvereins in Crimmitschau und 1869 gemeinsam mit August Bebel und Wilhelm Liebknecht Mitbegründer der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Nach Bismarcks Sozialistengesetz emigrierte Motteler nach Zürich, später nach London und übernahm die Expedition und den Vertrieb des ‚Sozialdemokrat'. Er wurde zum Begründer des ersten proletarischen Sicherheitsdienstes und erwarb sich den Ehrennamen ‚Roter Feldpostmeister'. In den Auseinandersetzungen mit den Opportunisten stand er fest an der Seite von August Bebel und Wilhelm Liebknecht und leistete einen bedeutenden Beitrag zur Durchsetzung der Lehren von Marx und Engels in der vereinigten Arbeiterpartei.
Nach der Aufhebung des gegen ihn ausgestellten Steckbriefes kehrte Motteler im Jahre 1901 nach Deutschland zurück und übernahm die Leitung des Verlags und der Druckerei der ‚Leipziger Volkszeitung'. Bis zu seinem Tode am 29.9.1907 fühlte sich Motteler der sich herausbildenden Linken in der deutschen Sozialdemokratie eng verbunden. Er blieb, bis zum letzten Atemzug der Mann, der er immer gewesen war - ein Revolutionär.

Autor: Karl-Heinz Reinhard, aus: Lichtbilck 3/2007


Der Mitbegründet der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands und Weggefährte August Bebels und Wilhelm Liebknechts organisierte in Zürich während der Sozialistengesetze 1878 bis 1890 die sozialdemokratische Korrespondenz, schmuggelte Briefe oder Zeitungen ins Deutsche Reich und sorgte für ihre Verbreitung und den Aufbau der Partei in der Illegalität. Für diese Leistung erhielt er den Ehrennamen "Der Roten Feldpostmeister". Als der spätere Verlagsleiter der Leipziger Volkszeitung 1907 starb, sollen ihm 4.000 Freunde und Genossen das letzte Geleit gegeben haben.

aus: Leipzigs Neue. Linke Monatszeitung für Politik, Kultur und Geschichte, November 2011, S. 12/13.

Die Inschrift des Grabsteines lautet:

Julius Motteler
1838 - 1907

In rastloser Arbeit
verzehrte sein Leben
der Kampf für die Arbeiterklasse

Der Grabstein befindet sich auf dem Leipziger Südfriedhof, in der Nähe des Haupteingang (Friedhofsweg) auf der nord-östlichen Seite unterhalb des Völkerschlachtdenkmales.