Leipziger Arbeiterbewegung

Alfred Frank
12.5.1884 - 12.1.1945

»Nachdem die reaktionärsten und aggressivsten Kreise des deutschen Monopolkapitals Hitler zum Reichskanzler gemacht hatten, stellte der Maler Alfred Frank sein künstlerisches Schaffen und seine ganze Person in den Dienst des antifaschistischen Kampfes.
Alfred Frank wuchs in einer kinderreichen Gärtnerfamilie auf. Er wurde Lithograph. Nach Wanderungen durch Frankreich und Italien, auf denen er reiche künstlerische Anregungen erhielt, ließ er sich 1906 in Leipzig nieder und studierte an der Königlichen Akademie der bildenden Künste. Er wurde Mitglied der Gewerkschaft und der Sozialdemokratischen Partei. Während des Krieges fand er als Soldat Anschluss an eine Gruppe von Spartakusanhängern, beteiligte sich an antimilitaristischer Propaganda und wurde von seinen Kameraden in den Soldatenrat gewählt.
Nach Rückkehr von der Front schloss er sich sofort der KPD an, mit deren Kampf für Demokratie und Sozialismus er von nun an seine Tätigkeit als Künstler eng verband. In vielfältigen Formen wurde seine Kunst zur Waffe. Er wirkte als ständiger Pressezeichner der 'Sächsischen Arbeiter-Zeitung', als Illustrator von Betriebszeitungen und entwarf massenwirksame Plakate. An der Marxistischen Arbeiterschule hielt Alfred Frank Vorlesungen über Ästhetik und bildete zeichnerisch befähigte Arbeiter aus. Auf Anregung Alfred Franks schlossen sie sich zum Zirkel Arbeiterzeichner zusammen und unterstützten mit künstlerischen Mitteln den Kampf der KPD gegen Faschismus und Krieg.
1933 gehörte er zu den ersten Opfern des Naziregimes und blieb bis September 1933 in Haft. 1934 wurde er wiederum zu einem Jahr Gefängnis wegen Verbreitung antifaschistischer Flugblätter verurteilt. Seit 1936 entstand in Leipzig auf seine Initiative ein Kreis von Kommunisten und bürgerlichen Intellektuellen, zu dem auch Wolfgang Heinze und Dr. Georg Sacke gehörten. Während des zweiten Weltkrieges schloss er sich mit seinem Freundeskreis der von dem Kommunisten Georg Schumann geleiteten Parteiorganisation an. 50.000 Mark setzte die Gestapo für die Ergreifung derjenigen aus, die in den Straßen Leipzigs, am Polizeipräsidium und am Amtsgericht antifaschistische Losungen angebracht hatten; diese waren von Alfred Frank entworfen worden. Er und seine Freunde organisierten auch umfangreiche Kleider- und Lebensmittelsammlungen, insbesondere für die sowjetischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter in den Betrieben Brown, Boveri & Cie., Sprengchemie und in den Köllmann-Werken, und übermittelten ihnen die Nachrichten des Senders des NKFD 'Freies Deutschland'.
Der tief mit den Ideen des Marxismus-Leninismus verbundene Künstler gab seiner Freundschaft zur Sowjetunion bewegenden Ausdruck, als er nach dem verbrecherischen Überfall auf die UdSSR das Porträt Lenins modellierte.
Am 19. Juli 1944 wurde dem unermüdlichen Kampf Alfred Franks für die Befreiung des deutschen Volkes von faschistischer Diktatur, imperialistischer Ausbeutung und Aggressionspolitik durch die Verhaftung ein Ende gesetzt. Mit großem Mut ertrug er wochenlang schreckliche Folterungen. Er starb auf der Richtstätte in Dresden.«

»Meine liebe Gertrud!, Dresden, den 12.1.45
Soeben wurden mir die Fesseln gelöst, um Dir nochmals ein Lebewohl zu senden. Wir waren alle nochmals zusammen und erwarten heute unser körperliches Ende. Wir sind alle gefasst, und einer ist so tapfer wie der andere. Ich wollte, Du könntest uns sehen. Die Traurigkeit haben wir in den Zellen gelassen, denn die waren dort mehr als traurig. Hoffentlich hast Du meinen Brief erhalten, den ich Dir am 5. d.M. geschrieben habe. Ich glaubte schon am 4., dass ich hinuntergeführt würde, und war deshalb nicht wenig überrascht, als ich in Deinen Armen landete und ich Dich nochmals an mein Herz drücken konnte. [Gertrut Frank war mit Ihrem Mann verhaftet worden.] So vieles hätte ich gern mit Dir besprochen, aber in der Überraschung hatte ich keine klaren Gedanken und habe so vieles vergessen, was ich noch mit Dir besprechen wollte. Doch ich glaube, dass Du alles schon selbst richtig machst. Auch hier geht es Tempo, Tempo, so dass ich nicht auf Einzelheiten eingehen kann. Deshalb will ich mich kurz fassen. Bleib gesund und halte den Kopf hoch, so wie wir den Kopf noch so lange hochalten, bis die Gewalt unseren Nacken niederzwingt.
An alle herzliche Grüße und ein kräftiges Lebewohl.
Im Geiste bei Dir
Dein Alfred«


Foto und Text: Luise Kraushaar (Hrsg.): Deutsche Widerstandskämpfer 1933-1945. Biographien und Briefe. Band 1. Dietz, Berlin 1970.

Schablone von Alfred Frank

»So fer­tig­te er in der Nazi­zeit eine Scha­blone an, zu der ich das Ku­pfer­blech be­sorg­te, und mit Stem­pel­far­be und Zahn­bürs­te brach­te er an sicht­bar­en Stellen Leip­zigs, am Haupt­bahn­hof, an den wei­ßen Hin­weis­schil­dern der Raiff­ei­sen­ge­sell­schaft auf dem da­ma­ligen Flei­scher­platz, ja so­gar an dem Po­li­zei­prä­si­dium, den be­kannten To­ten­kopf an. Au­ßer­dem stem­pelte er flei­ßig mit selbst­an­ge­fer­tigten Gummi­stempeln an­ti­faschis­tische Lo­sung­en in Te­le­fon­bü­cher und Te­le­fon­zellen. 50 000 Mark setz­te die Ge­sta­po für die Er­grei­fung des Tä­ters aus, den sie nie fand.«

Herbert Günther über Alfred Frank

Wolfgang Heinze

Die Hinrichtungsstätte im alten Dresdner Landgericht